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Jürgen Habermas: Der letzte Idealist.

18. März
10 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 19. März

Notwendige Lebensillusion: Ein gescheiterter Staatsphilosoph und europäischer Neopragmatiker.


Habermas hat uns nicht beigebracht, was wir denken sollen. Er hat uns angefleht, dass wir denken – und zwar gemeinsam, egal wie sehr es wehtut. Widersprüche sind nützlich. Ein kritischer Nachruf an den großen deutschen Weltdenker und europäischen Theoretiker, einem Unruhestifter im feinen Zwirn der dialektischen Vernunft.


Als „Staatsphilosoph“ verspottet bleibt er vielen als tragischer Optimist in Erinnerung. Er war besessen von der Idee, dass ein Argument die Welt ein Stück weniger brutal machen könnte. Sein Glaube an das „bessere Argument“ wirkt heute wie ein Relikt aus einer versunkenen Welt. Jürgen Habermas verlässt uns in einer Zeit, in der die Macht bessere Argumente einfach niederbügelt. Wer soll uns jetzt eigentlich noch erklären, warum wir überhaupt miteinander reden?



Juergen Habermas, Denker, Soziologe und Philosoph
Image: Johannes Simon/Sueddeutsche Zeitung Photo/dpa

Inhalt



Menschlicher Sozialismus als Dritter Weg


Es war kein Mann der leisen Töne, auch wenn seine Sätze oft so verschachtelt waren, dass man drei Anläufe brauchte, um das Ende zu finden. Studiert habe ich Habermas über den „Menschlichen Sozialismus“ und Jugoslawiens Sonderweg als blockfreier Staat zwischen dem Osten und Westen. Die Beziehung von Jürgen Habermas zur jugoslawischen „Praxis-Gruppe” der 1960er und 1970er Jahre ist eines der persönlichsten und politisch intensivsten Kapitel seiner Biografie. Inmitten des Kalten Krieges schufen er mit seinen jugoslawischen Kollegen auf Korčula eine „Insel der Vernunft“. Habermas genoss in Jugoslawien eine Freiheit des Denkens, die im starren Blockdenken jener Zeit eigentlich unmöglich war. Hier begegneten sich nicht nur Theorien, sondern Menschen wie der deutsche Philosoph Ernst Bloch, der Psychoanalytiker Erich Fromm oder der Politologe und Soziologe Herbert Marcuse mit den politischen Berater Norman Birnbaum. Auch einer der Väter der 68’-Bewegung Henri Lefebvre war neben wichtigen osteuropäischen Dissidenten wie Leszek Kołakowski und Georg Lukács Gast der Sommerschule auf der Adriainsel. Sie alle hatten damals gemein, dass sie unter existenziellen Bedingungen für die Freiheit dachten. Mit seiner Konsenstheorie und Diskursethik hat sich der deutsche Theoretiker Habermas schließlich am „Dritten Weg“ mit der „Praxis-Gruppe“ abgearbeitet um daran tragisch zu scheitern.


Vielleicht war die Rechtfertigung eine persönliche Kapitulation von der eigenen Wahrheitstheorie.

Der frühe Habermas stand der politischen Theorie des „Dritten Wegs“ für Deutschland der “Neuen Mitte”, wie er Ende der 1990er Jahre von Gerhard Schröder und Tony Blair propagiert wurde, skeptisch, sogar ablehnend gegenüber. Zwar unterstützte er 1998 den Machtwechsel von der Kohl-Ära zur SPD, distanzierte sich jedoch inhaltlich von der neoliberalen Ausrichtung der Schröder-Blair-Politik. Habermas kritisierte Habermas die Neue Mitte als eine pragmatische Politik, der es an einer normativen Vision und einer klaren sozialen Richtung fehle. Er sah darin eine Unterordnung sozialdemokratischer Prinzipien unter neoliberale Sachzwänge, statt einer inhaltlichen Erneuerung.

In seinen späteren Jahren, längst nach dem Kalten Krieg und dem Bürgerkrieg auf dem Balkan, gab er 2007 in einem Gespräch anlässlich des Todes von Richard Rorty offen zu: „Ich bin eigentlich ein guter alter amerikanischer Pragmatist.“ Habermas wollte weg vom deutschen Hang zum Metaphysischen und hin zu einer vernünftigen Praxis.


Kapitulation vor dem radikalen Konstruktivismus


Vielleicht beging er hier einen performativen Selbstwiderspruch indem er die Vernunft nutzte, um die Vernunft zu leugnen. Sein Weggefährte Karl-Otto-Apel hätte es womöglich so gesehen. Den Idealismus konnte er jedenfalls nie recht loslassen. Ob er mit seinem Neopragmatismus seiner Zeit voraus war, wird sein Erbe zeigen. Man kann Habermas’ Aussage zumindest als Kapitulation vor dem radikalen Konstruktivismus seiner frühen Jahre sehen oder als Reifung hin zu einem pragmatischen Realismus. Durch den Zerfall des jugoslawischen Staates im Extremismus hat Habermas eingesehen, dass die „ideale Sprechsituation“ zwar ein notwendiger Kompass für die Moral ist, aber kein Werkzeug, um physikalische Tatsachen zu schaffen.


„Ich bin eigentlich ein guter alter amerikanischer Pragmatist.“

Hinter der Fassade des großen Theoretikers verbarg sich ein Mensch, für den Freundschaft und intellektuelle Solidarität untrennbar miteinander verwoben waren. Sein Briefwechsel mit den Denkern der Praxis-Gruppe um Gajo Petrović, Mihajlo Marković oder Svetozar Stojanović zeigt einen Habermas, der weit über das rein Akademische hinausging. Oft schrieb er in Briefen über die Hoffnung, die er in diese Insel-Gespräche setzte. Ich bin zu jung um die Sehnsucht der Frankfurter Schule und Belgrader Schule zu verstehen, aber ich kann sie nachvollziehen – auch das Scheitern. In der Logik des Kalten Krieges war Jugoslawien das große Experimentierfeld. Es sollte weder der graue Staatssozialismus sowjetischer Prägung sein noch der raue Kapitalismus des Westens. Als das Tito-Regime in den 1970er Jahren die Praxis-Philosophen, die sogenannten „Belgrader Acht“ mit Lehrverboten belegte und ihre Pässe einzog, wurde Habermas aktiv. Er nutzte seine internationale Bekanntheit, um öffentliche Protestbriefe zu verfassen und politischen Druck auf Belgrad auszuüben. Die Briefwechsel zeigen, wie sehr sich Habermas um Gastprofessuren in Deutschland bemühte, um seinen Kollegen das Überleben und die Fortsetzung ihrer Arbeit zu ermöglichen.


Universelle Vernunft und Extremismus


Der jugoslawische Dritte Weg war für ihn am Ende eine schmerzhafte Lektion darüber, dass Vernunft und guter Wille allein nicht ausreichen, wenn die Strukturen der Macht, des Nationalismus und Stammesdenkens stärker sind. Jugoslawien zerfiel und somit Habermas Theorie. Die innere Spaltung des deutschen Denkers zeigt sich gerade im tragischen Hintergrund der Freundschaften der Praxis-Gruppe und liegt in ihrem Ende während der Jugoslawienkriege der 1990er Jahre. Habermas musste entsetzt zusehen, wie einige seiner engsten Mitstreiter wie Mihajlo Marković vom humanistischen Marxismus zum radikalen serbischen Nationalismus überliefen und Berater von Slobodan Milošević wurden. Wenn selbst hochgebildete Philosophen, mit denen er jahrzehntelang über universelle Vernunft debattiert hatte, in den Ethno-Nationalismus zurückfielen, stellte das seine gesamte Theorie der kommunikativen Vernunft infrage. Was bleibt vom sozialwissenschaftlichen Ansatz übrig, der die Vernunft, die herrschaftsfreie Kommunikation und eine deliberative Demokratie als Mittel zur gesellschaftlichen Emanzipation betont. Habermas Kritischen Theorie unterscheidet zwischen der Lebenswelt, die auf Verständigung basiert und dem System, das durch Macht und Geld gesteuert wird.


Das war der Moment, in dem der große Brückenbauer selbst eine Schneise schlug. Man konnte ihn dafür hassen oder bewundern, aber man konnte ihm eines nicht vorwerfen: Gleichgültigkeit. Habermas war nie neutral. Er war ein Streitbarer, der sich im hohen Alter noch mit der Leidenschaft eines Studenten in die Debatten um ein gemeinsames starkes Europa, die Vielfalt von Religion oder die Epigenetik warf.


Der gewaltsame nationalistische Zerfall Jugoslawiens bewies, dass der „rationale Diskurs“ gegenüber archaischen, ethnischen Mobilisierungen machtlos war.

Sein Schüler, der ehemalige serbische Ministerpräsident Zoran Đinđić verkörperte Habermas’ Ideal. Ein Philosoph als Staatsmann, der versuchte, kommunikative Rationalität in einem post-sozialistischen Staat umzusetzen. Die Ermordung Đinđićs 2003 hat nicht nur Habermas neuere Denkschule, sondern auch ihn selbst gebrochen. Eine „Zivilgesellschaft“ in einem Umfeld „gescheiterter Staaten“ kann nicht einfach durch Argumente herbeigeführt werden. Habermas erkannte, dass nicht nur der „Dritte Weg“ eine romantisierte Illusion war. Er gab damit nicht nur den Optimismus auf eine sozialistische Alternative zum Kapitalismus auf, Habermas konzentrierte sich fortan auf den liberalen Konstitutionalismus und die „Bändigung“ des Kapitalismus durch das Recht.


Europäischer Pragmatismus zwischen Idealismus & Nützlichkeit

Der einst optimistische Soziologe Habermas wurde in den späteren Jahren deutlich pessimistischer hinsichtlich der unmittelbaren Macht der „Öffentlichkeit“. Er verlagerte seinen Fokus auf die institutionelle Stabilität und die Rolle des Staates als Garant für Sicherheit, statt nur als Forum für Debatten. Seine ethische Diskurstheorie wich einem moralischen Verfassungspatriotismus der auf Rechtsstaatlichkeit beruht. Seinen Wendepunkt hin zu einer philosophischen Denkrichtung begründete er durch die Erfahrungen des Extremismus. Der Nationalstaat sei zu klein und zu gefährlich, um ethnische Konflikte zu bewältigen. Als Idealist begann Habermas, für eine „postnationale Konstellation“ und eine Weltrechtsordnung zu werben. Er hörte auf, „freie Rede“ als Primärlösung zu betonen, und hob stattdessen das Völkerrecht und somit Kants “Ewigen Frieden” hervor. Für Habermas bewies das „Scheitern“ auf dem Balkan, dass Moral in verbindlichen globalen Institutionen festgeschrieben sein muss, um einen Rückfall in die Barbarei zu verhindern.


Ein „echter“ Pragmatist würde solche universellen Maßstäbe wie eine “ideale Sprechsituation” als unnötigen Ballast abwerfen.

Das Recht darf dem Zweck jedoch weichen. Er übernimmt die Idee, dass Wahrheit nicht eine Abbildung der Realität ist, sondern das Ergebnis eines idealen, öffentlichen Suchprozesses einer Forscher- oder Kommunikationsgemeinschaft. Angelehnt ist seine neue Theorie an Charles Sanders Peirce und John Dewey. Habermas versteht Demokratie nicht nur als Regierungsform, sondern als Praxis der kollektiven Problemlösung durch Kommunikation. Am Fallibilismus hielt er weiterhin fest. Er betont, dass all unser Wissen fehlbar ist und ständig durch neue Erfahrungen und Diskurse korrigiert werden muss. Für Habermas ist dies ein Kernpfeiler des Pragmatismus. Dafür erntete er Kritik, er wolle den Pragmatismus „europäisieren“ oder ihn gar für seine eigenen Zwecke umdeuten. Der Vorwurf des versteckten Idealismus kam ausgerechnet oder gerade von Richard Rorty. Dieser argumentierten, dass Habermas trotz seines Pragmatismus-Bekenntnisses an universellen, quasi-religiösen Vernunftidealen wie der „idealen Sprechsituation“ festhalte.


Wir können nicht verlangen, dass gläubige Menschen ihre tiefsten Überzeugungen an der Garderobe des Parlaments abgeben.

Der Zerfall Jugoslawiens verbindet das persönliche Scheitern Habermas als Staatsphilosoph mit seinen Theorien rund um die Sommerschule der Praxi-Gruppe auf Korčula, die weit über den humanen Marxismus hinausgehen. Ein paar Jahre nach dem Bürgerkrieg begründet Habermas seinen Bruch und philosophischen Wendepunkt — den Widerstand der Realität —, in seinem Spätwerk, (Wahrheit und Rechtfertigung, 1999) durch den sogenannten „schwachen Naturalismus“. Darin erkennt er an, dass Menschen als handelnde Wesen ständig mit einer objektiven Welt kollidieren, die sich nicht einfach „wegdiskutieren“ lässt. Bevor wir über die Welt reden, handeln wir in ihr. Wenn wir versuchen, ein Ziel zu erreichen (z. B. eine Brücke bauen) und scheitern, liegt das nicht an mangelndem Konsens in einer Gruppe, sondern an den physikalischen Gegebenheiten. Die Welt gibt uns Menschen ein Veto-Recht. Dieses praktische Scheitern zwingt uns, unsere Überzeugungen zu korrigieren, unabhängig davon, was wir im Diskurs vereinbart haben. Wir lernen durch (instrumentelles) Handeln.


Die Unterscheidung von Wahrheit und Rechtfertigung begründet auch seine Kapitulation vor dem reinen Diskurs. Die Rechtfertigung ist diskursiv. Wir überzeugen andere mit Argumenten. Das ist immer kontextabhängig und fehlbar (fallibel). Die Wahrheit dagegen ist eine Eigenschaft von Aussagen, die wir als unbedingt unterstellen müssen. Der späte und reife Habermas argumentiert nun als Hegelianer, dass wir im Alltag so tun müssen, als gäbe es eine objektive Welt, um überhaupt erfolgreich handeln zu können. Er nennt dies eine „notwendige Lebensillusion“ die zumindest will, dass alles was wirklich ist, vernünftig ist, doch ohne rationalisieren oder Recht haben zu wollen.


Habermas flüchtet sich vor dem Vorwurf des radikalen Konstruktivismus, dass Wahrheit nur das ist, worauf wir uns einigen. Der Diskurs dient dazu, unsere Meinungen zu rechtfertigen, aber die Objektivität der Welt sorgt dafür, dass nicht jede gut begründete Meinung auch automatisch wahr ist. Die Realität leistet für ihn Widerstand, weil unsere Handlungen in der Welt Konsequenzen haben, die sich nicht durch Sprache auflösen lassen.


Wir stoßen uns den Kopf an der Welt, nicht an den Argumenten der anderen.


Habermas' Erbe: Der Widerspruch führt zur Dialektik


Jürgen Habermas' Erbe ist gerade heute ein Weckruf an unsere, an jede demokratische Gesellschaft, der uns wie Georg W.F. Hegel impliziert, dass das Bestehende eine innere Logik oder Notwendigkeit hat. Alles was wirklich ist, ist vernünftig, auch wenn es eine notwendige Lebensillusion ist. Auch wenn man darin nicht übereinstimmt gilt — das Projekt der Moderne muss weiter verteidigt werden; die Aufklärung ist und darf nicht für als abgeschlossen erklärt werden. Hegel meinte nicht, dass alles gut ist, sondern dass alles eine Ursache hat, die sich aus dem Weltgeist (der Logik der Geschichte) ergibt. Hier ist Habermas einen Schritt weiter gegangen. Seine Philosophie sucht nicht nach Stimmigkeit, unabhängig unseres menschlichen Bedürfnisses nach Kohärenz — oder gerade deshalb. Während Hegel sagt, das Wirklich sei vernünftig, sagt Habermas: Wir machen das Wirkliche vernünftig, um handlungsfähig zu bleiben und die Welt als berechenbar zu empfinden. Vielleicht lag hier seine Form des Pragmatismus. Das Widersprüchliche ist durch die Dialektik zu entschlüsseln.


Unabhängig der Wahrheitstheorie Habermas', können wir Hegel aus zwei Richtungen folgen. Entweder aus der Vernunft, dem Optimismus, der „reiferen“ Form Habermas‘ und seiner Intersubjektivität oder aus der Negativität, beispielsweise der „radikalen“ Form Žižeks der in Hegel den Bruch und die innere Widersprüchlichkeit und eben keine Harmonie sucht. Hegel unterscheidet sich in der Dialektik. Insbesondere Hegels Dialektik wird oft als extrem abstrakt und schwer zugänglich empfunden. Das Denken muss sich ständig bewegen und darf nicht an einem festen Punkt stehen bleiben. Widersprüchlichkeit ist nicht unbedingt negativ. Wenn die Menschen sich entscheiden sollen, brauchen sie Alternativen, das verlangt nicht nur die Kognition. Fortschritt entsteht oft erst durch das Denken in Alternativen, Utopien oder neuen Visionen, die über den Status Quo hinausgehen.


Den schwer zugänglichen Jürgen Habermas sollte durch die dialektische Methode interpretiert werden. Wer sich jahrelang bei der Interpretation Karl Marx an der Dialektik geübt hat, kennt auch den „jugoslawischen Materialismus“. Beim diesem Materialismus handelt es sich um einen transzendenten und vor allem dialektischen Materialismus. An der Dialektik scheitern jedoch viele Denker und die Gesellschaft die sie anwenden soll. Viele Menschen scheitern deshalb an der Dialektik, weil sie ein Denken erfordert, das Widersprüche aushält und aufhebt, statt sie durch kognitive Rationalisierung auszugleichen oder einfaches "Entweder-Oder" zu eliminieren. Die dialektische Methode – insbesondere nach Hegel und Adorno – ist komplex, dynamisch und steht im Widerspruch zu unserem intuitiven, identifizierenden Denken, das Dinge gerne festlegt. Wie beim Pariser Situationismus erhebt sich die Anwendung der dialektischen Methode, weit über die bloße Rhetorik hinaus. Darum ging es weder der Praxis-Gruppe noch Jürgen Habermas in ihrer Denkschule um Rechthaberei. Sie haben nicht festgehalten.


Wir müssen also so tun, als gäbe es eine objektive Welt und als sei ein Konsens möglich, weil Kommunikation sonst sofort in sich zusammenbrechen würde. Jürgen Habermas hinterlässt uns eine Welt, die das Streiten verlernt hat. In Zeiten von Algorithmen und digitalen Echokammern wirkt sein „herrschaftsfreier Diskurs“ wie ein analoges Märchen. In unserer dynamischen Welt wird die Reifikation, die Verdinglichung erst deutlich. Die Tendenz, soziale Verhältnisse als feste, unveränderliche Naturtatsachen zu sehen, verhindert das dialektische Verständnis, dass alles Produkt geschichtlicher Entwicklung und Veränderung ist.


Jürgen Habermas war ein Unruhestifter im feinen Zwirn der dialektischen Vernunft. Er war der letzte große Aufklärer, der uns zutraute, erwachsen zu werden. Vielleicht ist das die beste Art, sich an ihn zu erinnern: Nicht als Standbild aus Bronze, sondern als die Stimme im Hinterkopf, die leise fragt: „Hast du dein Gegenüber wirklich verstanden? Oder willst du nur recht haben? Und wenn ja, warum?“



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